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Interview

mit Sensei Kase, 9. Dan Shotokan

12.12.1997 in MĂŒllheim / Deutschland von Pascal Petrella

Shihan Taiji Kase ist ohne Zweifel einer der wenigen noch lebenden Legenden aus der Welt des Karate. Zur Zeit ist Shihan Kase, 9. Dan Shotokan, der Kopf der World Karate Shotokan Academy (WKSA). Sensei Kase besucht verschiedene LĂ€nder in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden um eine Vielzahl von Karate-LehrgĂ€ngen zu geben. Die Erfahrungen des zweiten Weltkrieges und die in dieser Zeit verschiedenen Arten zu denken und zu trainieren, sein enormes Wissen und Erfahrung und sein langes hartes Training haben alle dazu beigetragen, Sensei Kase zu einem Karatemeister mit einem ganz eigenen Image, einem Meister, der eine lebende Legende, ein Meister der eine Spiegelung seines reinen und starken Karates selbst ist.

WĂ€hrend eines Winter-Lehrgangs in Freiburg und MĂŒllheim hatte mir Sensei Kase viele interessante Dinge zu erzĂ€hlen, die weltweit nur ein paar Menschen bekannt sind.

Sensei Kase, wann und wo wurden sie geboren?

Ich wurde geboren am 9. Februar 1929 in Tokio, Japan.

Hat irgendwer sonst in ihrer Familie eine Art von Kampfkunst betrieben?

Mein Vater und mein Bruder betrieben Judo. Vor dem zweiten Weltkrieg hatte mein Vater bereits den 5. Dan in Judo. Als ich sechs Jahre alt war schickte er mich ins Judotraining. In der Mittelschule war ich MannschaftskapitÀn. 1944 begann ich zusÀtzlich Karate, 1946 beendete ich mein Judotraining, weil ich mir dachte, besser eine Sache gut machen als zwei Sachen schlecht. Als ich mit Judo aufhörte hatte ich denn 3. Dan in Judo.

Sensei Kase, wo hörten sie zum ersten mal ĂŒber Karate?

In einem Buchladen im Februar 1944. Ich sah das Buch "Karate Do-Kyohan“ von Gichin Funakoshi. In den Photographien sah ich Dinge, die ich nie zuvor gesehen hatte. Ich war sehr neugierig und weil in dem Buch keine Adresse stand rief ich den Verleger an und er erklĂ€rte mir wo das Dojo war. Das erste mal, als ich zum Dojo kam, trainierte Sensei Yoshitaka Funakoshi die Gruppe. Als ich um Erlaubnis bat Karate zu trainieren, wies er mich zuerst ab, da ich noch sehr jung war. Normalerweise wurden nur Studenten der UniversitĂ€t. Aber nachdem ich Sensei Yoshitaka erzĂ€hlte, dass ich bereits seit vielen Jahren Judo betrieb und nach einem langen GesprĂ€ch ĂŒber Budo erkannte Sensei Yoshitaka, dass es mir mit Karate sehr ernst war und nahm mich als SchĂŒler in das Dojo auf. Aber Sensei Yoshitaka erklĂ€rte mir, Karate niemals außerhalb des Dojo anzuwenden.

Wer lehrte im Februar 1944 im Honbu-Dojo zu dieser Zeit?

Sensei Gichin Funakoshi, Yoshitaka, Genshin, Hironishi, Hayashi, Uemura und ein paar andere.

Wie war die Trainingsmethode zu dieser Zeit?

Das Dojo war klein, aber wir trainierten in Gruppen, AnfĂ€nger und fortgeschrittene SchĂŒler waren getrennt. Aber wir hatten auch Einzeltraining. Wir machten normalerweise Ein-Schritt-Kihon, wie Ten-No-Kata. Die Betonung lag auf Ausdauer, Geschwindigkeit und Timing. Kumite war sehr hart, wir trainierten reales Karate, berĂŒhren und töten auch mit dem Block. Kata war wie Kihon, kein Bunkai. In der UniversitĂ€t machten wir nur Wiederholungen, 1000 Mae-Geris, 1000 Tsukis (Sensei Kase lĂ€chelt) und 1000 StĂ¶ĂŸe gegen die Makiwara jeden Tag vor dem Training. Ein Trainer stand normalerweise hinter der Makiwara und er zĂ€hlte nur, wenn der Tsuki wirklich stark war. Oft war die Haut von den Knöcheln abgegangen, so dass ich die weißen Knochen sehen konnte.

An was erinnern sie sich von O-Sensei (Gichin Funakoshi)?

Als MannschaftskapitĂ€n der UniversitĂ€t musste ich O-Sensei jeden Montag von seinem Zuhause abholen und zum Dojo bringen. Sensei Funakoshi war bereits sehr alt und er kam nur in seinem Kimono zum Dojo und beobachtete das Training und gab Kommentare wie „Karate Ni Sente Nashi“. Benutze niemals einen ersten Angriff, jemand könnte verletzt werden. Ich erinnere mich, eines Tages, trainierten wir Heian Godan und O-Sensei kam mit einem Stock und schlug auf meine FĂŒĂŸe, weil mein Sprung zu niedrig war und er sagte: Verstehst du? Er war wie ein Großvater, er sprach immer sehr sanft, er war eine sehr freundliche Person.

Sensei Kase, glauben Sie, das Sensei Gichin Funakoshi als er 1923 nach Japan kam mehr als die 15 Kata, die er lehrte, kannte?

Ich denke er kannte mehr Kata als die, die er lehrte, weil man in dieser Zeit nur seinen besten SchĂŒlern all sein Wissen weitergab. In dieser Zeit war es gefĂ€hrlich alles jedem zu zeigen, es könnte sein jemand beendet dein Leben mit diesem Wissen. Aber nach meiner Generation verĂ€nderte sich alles. Sensei Funakoshi sagte immer er trainierte hauptsĂ€chlich mit Sensei Azato und nicht mit Sensei Itosu. Sein erster Lehrer ist also Azato und nicht Itosu. Azato und Funakoshi war aus der selben Generation. Azato hatte zu dieser Zeit eine hohe gesellschaftliche Stellung in Okinawa, er war so etwas wie ein BĂŒrgermeister der Stadt. Azato lehrte Funakoshi und danach lehrte Funakoshi Azato’s Sohn. Das ist der Grund weshalb Shotokan-Kata und Shito-Ryu-Kata so verschieden sind. In Shotokan machen wir sehr viel O-Waza, große Techniken. In Okinawa und in Shito-Ryu trainiert man Ko-Waza, kleine Techniken. Matsumura Sokon war LeibwĂ€chter des Königs von Okinawa. Mit ihr reiste er nach Kyushu, Japan, und dort bekam er Kendo zu sehen. Er war sehr beeindruckt vom Stil Jigenji-Ryu, daher studierte er diese Kampfkunst in Kyushu. In Jigenji-Ryu werden sehr große Techniken gemacht und dies beeinflusste Matsumuras Karate. Er lehrte dies Sensei Azato und Sensei Azato lehrte dies Sensei Funakoshi. Und ein anderes Beispiel ist die Kata Sochin, nur in Shotokan gibt es die Kata Sochin. Vor ein paar Jahren ging Sensei Shirai nach Okinawa um Goju-Ryu zu trainieren. Der Trainer bat ihn eine seiner Lieblingskata zu zeigen, und Shirai zeigte Sochin. Der okinawische Trainerwar sehr ĂŒberrascht, weil alle sagten dies mĂŒsse Samurai-Sochin sein, sie alle dachten diese Kata sei verloren gegangen.

Sensei Kase, ich habe schon viel ĂŒber Sensei Yoshitaka Funakoshi gehört, wie war sein Training?

Yoshitaka war der dritte Sohn von Gichin Funakoshi. Er begann mit dem Karate-Training 1916, im Alter von 11 Jahren. Ich trainierte nur ein paar mal mit Sensei Yoshitaka, aber ich erinnere mich daran als er Mae-Geri, Yoko-Geri und Mawashi-Geri zuerst langsam, dann schnell zeigt. Ich werde nie seine Geschwindigkeit und seine dynamische Technik vergessen. Schade dass ich zu dieser Zeit ein AnfĂ€nger war, ich konnte nicht alles umsetzen, aber ich beobachtete wie er die Schwarzgurte lehrte und welche Punkte er im Training betonte. Sensei Yoshitaka betonte immer wie wichtig Geschwindigkeit, Timing und explosive Kraft ist. Aber er war sehr krank, so lag er wĂ€hrend des Tages im Bett und am Abend ging er ins Dojo um zu unterrichten bis er im November 1945 in Tokio starb. 1938 gab Sensei Gichin Funakoshi das Shotokan-Siegel an seinen Sohn Yoshitaka. Damit war Yoshitaka Funakoshi sein Erbe als Kopf des Shotokan-Karate. Von 1938 bis 1945 entwickelte Yoshitaka und die Gruppe um ihn das Shotokan-Karate auf eine andere, höhere Stufe. Du erinnerst dich, die Zeit in der wir lebten war die Zeit des Kriegs. Der Kampfkunst-Geist war ĂŒberall und Karate musste trainiert werden wie Katana-Training, „touch and kill“. RealitĂ€t. Es war die Zeit des Budo. Und in dieser Zeit verĂ€nderte Yoshitaka das Karate seines Vaters zu einem dynamischeren und stĂ€rkeren Karate indem er Kiba-Dachi und Fudo-Dachi nutzte und auch die Ten-No-Kata wie die Taikyoku Shodan bis Sandan um mehr Kampfgeist, mehr Kraft, mehr Energie zu gewinnen. Er entwickelte ebenso Yoko-Geri Kekomi und Keage, genauso wie Mawashi-Geri. Sensei Gichin Funakoshi war bereits sehr alt, und so war es sehr bedauerlich, dass Sensei Yoshitaka am 7. November 1945 starb, weil als die Trainer (Nakajama) vom Krieg zurĂŒckkehrten, sagten sie: Das ist nicht Shotokan was ihr da trainiert. So begannen die Trainer in den UniversitĂ€ten das Karate zu lehren das sie vor dem zweiten Weltkrieg gelernt hatten und das meiste von dem was Sensei Yoshitaka lehrte ist fast verschwunden.

Wer trainiert nach dem zweiten Weltkrieg noch?

Sensei Hironishi, Uemura, Egami von Kyushu, Obata, Nogouchi, er ist jetzt 85, und Okuyama und ein paar mehr. WĂ€hrend meiner UniversitĂ€tsjahre kamen die MannschaftskapitĂ€ne manchmal in Gruppen und manchmal zum Einzeltraining zusammen. Mit Sensei Okuyama studierte ich dann sehr eingehend Karate. Er sagte immer, es ist wichtig zu wiederholen und zu wiederholen um mehr Kraft und Geschwindigkeit zu bekommen um eine höhere Ebene des Karate zu erlangen. Sensei Okuyama fragte sich immer selbst, wie er seine Geschwindigkeit und seine Kraft der Techniken erhöhen konnte, wie er zu trainieren hat um schneller und stĂ€rker zu werden. Wie könnte er mentale Energie, Atmung und Muskelspannung nutzen. Man muss sich befreien vom Eingefahrenen. Man muss sich fragen, wie bekomme ich mehr Energie als nur die Muskelkraft. Er sagte du musst den Budo-Weg gehen. Du musst Harmonie zwischen „Ten-Chi-Shin“ (Himmel, Erde, Mensch) erlagen. Wie erlange ich diese Harmonie, wie erlange ich die allumfassende Kraft. Wir trainierten manchmal in der Nacht in totaler Dunkelheit und er zeigte mirwie man in der Dunkelheit Angriffe erkennt und blockt. Einmal musste ich draußen vor dem Dojo sitzen und dem Regen zusehen. Ich sollte versuchen mit meinen Augen den Regentropfen zu folgen. Es war ein Reflex-Training fĂŒr die Augen, um Bewegungen zu erkennen. Eine andere Sache war, das ich den Abstand schĂ€tzen musste um ein GefĂŒhl fĂŒr die Distanz zu erhalten. Wir trainierten den ganzen Tag und wĂ€hrend der AnfĂ€nge wachte ich am Morgen nicht auf, weil ich so mĂŒde war und Sensei Okuyama schĂŒttete mir Wasser ins Gesicht um meine Sinne auszubilden. Nach einer Weile wachte ich auf, sobald er die TĂŒre öffnete und so hörte er auf mir Wasser ins Gesicht zu schĂŒtten. Ich musste alle meine sechs Sinne entwickeln. (Anmerkung: Im Buch „Karate Master, The time and life of Mitsusuke Harada von Dr. Clive Layton“, Seite 71: Meister Okuyama war der beste und am meisten fortgeschrittene Karateka mit dem Harada je trainierte... Okuyama war nicht in der Vergangenheit verhaftet, wie viele seiner Zeitgenossen es waren, er sorgte sich um die Zukunft - wie sich weiterentwickeln. ... ein Mann der mit der Tradition brach und etwas fand. Ein langjĂ€hriger Trainingspartner von Yoshitaka, Sensei Egami erzĂ€hlte Harada, dass Okuyama’s Stand sogar noch höher als der von Yoshitaka war. Nach dem zweiten Weltkrieg ging er in die Berge um dort zu leben.)

Als sie in die Senchu-UniversitÀt eintraten, wer waren die Trainer zu dieser Zeit?

Sensei Hironishi 5. Dan, Yoshitaka, Egami, 5. Dan, Uemura 5. Dan, Kubota 4. Dan, Takami 3. Dan, Tortani, Moshita, Mitzukami, usw. Viele Trainer kamen vom Krieg zurĂŒck und hatten keine Arbeit, deshalb halfen sie im Dojo. Wir trainierten jeden Tag acht Stunden.

Wer waren ihre Trainingspartner zu dieser Zeit?

Nishiyama, Tagaki, er war wie mein Bruder. Zur Zeit ist Tagaki Shotokai-President und er verwahrt nach Hironishi das Shotokan-Siegel, das von Gichin Funakoshi ĂŒber Yoshitaka Funakoshi zu Hironishi und dann zu Tagaki kam. Wir sind beide auf dem Bild im Buch Karate-Do Nyomon von Gichin Funakoshi auf dem ich einen Yokotobi-Geri mache (Seite 42).

Waren zu dieser Zeit grĂ¶ĂŸere WettkĂ€mpfe?

Nein, nur universitĂ€tsĂŒbergreifende WettkĂ€mpfe, entweder in Tokio oder in Kyoto. Die verschiedenen UniversitĂ€ten benutzten unterschiedliche Stile aber sie mussten sich mit allen anderen messen. Manchmal waren wir 120 Leute. So kamen die Shotokan-, Goju-Ryu- und Shito-Ryu-SchĂŒler zusammen und mussten sich beweisen. Es war immer sehr gefĂ€hrlich. Es gab viele Verletzungen, aber nie schwere. Das war wĂ€hrend der amerikanischen Besatzung. Nachdem wir wieder eine japanische Regierung hatten, mussten wir aufhören.

Wie war die Entwicklung von Karate von 1923 an, als O-Sensei nach dem zweiten Weltkrieg nach Japan kam?

Als Sensei Funakoshi 1923 fĂŒr eine VorfĂŒhrung nach Japan kam, waren alle Kampfkunst-Experten wie Jigoro Kano vom Judo, Nakajama vom Kendo und die Sumo-Meister sehr interessiert am Karate von Okinawa. Deshalb kannte Funakoshi alle Bude-Experten von Japan. Gichin Funakoshi erkannte die Stufe des Budo in Japan, und er wollte Karate nach und nach auf die Stufe des Budo bringen.

Ich habe gehört, dass wÀhrend des zweiten Weltkriegs jeder im Hombu-Dojo Fudo-Dachi und nicht Zenkutsu-Dachi als Hauptstand nutzte.

Vor dem zweiten Weltkrieg war der grundsĂ€tzliche stand Kiba-Dachi um StabilitĂ€t und Balance zu entwickeln. Wir benutzten Zenkutsu-Dachium vorwĂ€rts und Kokuzu-Dachi um rĂŒckwĂ€rts zu gehen. Aber ab dem Schwarzgurt nutzte jeder Fudo-Dachi um Kraft zu entwickeln. WĂ€hrend des zweiten Weltkriegs lernten AnfĂ€nger gleich Ten-No-Kata in Fudo-Dachi um Kampfgeist und Kraft zu entwickeln.

Wieso bevorzugen sie Zenkutsu-Dachi?

Weil Fudo-Dachi flexibler ist. Im Endpunkt von Zenkutsu-Dachi ist das Hinterbein gestreckt, damit kann ich keine Bewegung mehr machen. Im Fudo-Dachi ist das Hinterbein gebeugt, so hat man immer eine Reserve, und zweitens ist er besser fĂŒr den Körper weil in Fudo-Dachi deine Muskeln wie StoßdĂ€mpfer, und es ist besser fĂŒr die Gelenke und die BĂ€nder.

Ich habe gehört, sie gaben auch den JKA-Instructor-Course, stimmt das?

WĂ€hrend meiner Studentenzeit wusste ich, ich will nur Karate trainieren. Nach der UniversitĂ€t 1951 gab es keine JKA. Ein freund meines Vaters war PrĂ€sident einer Firma und er hatte Probleme mit der Vereinigung, daher benötigte er LeibwĂ€chter. Ich nahm die Stelle an und ging mit ihm auf Treffen. Nakajama wollte die JKA grĂŒnden, daher baten Tagaki und ich Sensei Hironishi ein Dojo zu eröffnen, wir wĂŒrden ihm folgen und nur noch Karate trainieren, keine andere Arbeit. Aber er war Journalist und wollte seinen Beruf weiter ausĂŒben. Als die JKA 1956 gegrĂŒndet wurde, bat mich Nishijama der JKA beizutreten. Ich wollte Karate Vollzeit Trainieren, ich fragte also Hironishi, ob er ich der JKA beitreten könnte um nur noch Karate auszuĂŒben. Hironishi stimmte zu. Ich trat ihnen bei und half ihnen unterrichten. Es waren Nakajama, Nishijama, Okazaki und ich. Die ersten Instructor-SchĂŒler waren Mikami und Kanazawa. Zuerst war Nakajama und dann auch Nishijama oft auf Reisen, so trainierte ich den Instructor-Course drei mal tĂ€glich. Aber offiziell waren Nakajama und Nishijama verantwortlich. So trainierte ich viele male den Instructor-Course bis ich 1964 nach SĂŒd-Afrika ging.

Viele JKA-Instructors wurden in fremde LĂ€nder geschickt, wann und wo begannen sie?

1964 ging ich alleine fĂŒr drei Monate nach SĂŒd-Afrika und dann 1965 wieder fĂŒr 6 Monate zusammen mit Enoeda und Shirai nach Afrika. Kanazawa war zu der Zeit in London. Nach SĂŒd-Afrika gingen Enoeda und Shirai auf Weltreise, inklusive Europa, auch nach Deutschland. Wir kamen mit dem Flugzeug in Frankfurt an, wir wussten nicht wo Bad Godesberg lag, also nahmen wir ein Taxi von Frankfurt nach Bad Godesberg – eine wirklich lange Reise. SpĂ€ter reisten wir auch noch nach Holland und Belgien.

Erinnern sie sich an einige deutsche Karateka dieser Zeit?

Ich erinnere mich an JĂŒrgen Seydel und Fritz Wendland bei meinem ersten Besuch in Deutschland.

Sie haben ĂŒber 30 Jahre in Europa Karate gelehrt, sind sie mit dem Ergebnis zufrieden?

FĂŒr 32 Jahre habe ich Karate in Europa gelehrt, es sind immer noch viele Leute, die mit mir begonnen haben zu trainieren, und bis heute mit mir trainieren. Manche sind genauso ĂŒber 60 Jahre alt. Es ist schön unsere Entwicklung gegenseitig zu beobachten. Bis heute bin ich fĂ€hig zu trainieren, das macht mich glĂŒcklich. Ich muss weitermachen und sehen, welche Stufe ich erreichen kann. Ich versuche immer meine Stufe zu verbessern um die Stufe des Karate, das ich gelernt habe zu verbessern, und ich hoffe die nĂ€chste Generation wird dasselbe tun.

Sensei Kase, Sie und Sensei Shirai grĂŒndeten WKSA, was ist das Ziel der WKSA?

Das ganze Leben Karate zu betreiben. Die Idee ist die Weiterentwicklung von Shotokan-Karate und gemeinsam bis ans Lebensende gemeinsam Karate trainieren. Keine Politik - nur Karate-Do betreiben.

Welches ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Stand, den man als AnfÀnger und als Fortgeschrittener trainieren sollte?

Ich denke die Leute sollten Karate im Hachichi-Dachi beginnen und dann in Hami-Dachi und Zenkutsu-Dachi, das ist das Prinzip von WKSA (World Karate Shotokan Academy). Der Unterschied zum traditionellen Shotokan-Karate ist, dass wir viel Fudo-Dachi anstatt Zenkutsu-Dachi nutzen. Dann benutzen wir sehr viele offene Handtechniken, Haito und Shuto fĂŒr Blöcke wie fĂŒr Angriffe. Die Faust fĂŒr Angriff und Block zu nutzen ist die erste Stufe, offene HĂ€nde zu nutzen ist die nĂ€chste Stufe. Mit offenen HĂ€nden hat man eine grĂ¶ĂŸere Reichweite fĂŒr das Angreifen und das Blocken, aber mit offenen HĂ€nden Kime zu entwickeln ist schwieriger. Deshalb soll man zuerst die FĂ€uste und dann die offene Hand nutzen. Um uns zu bewegen nutzen wir viel Yori-Ashi, Tsugi-Ashi, Kae-Ashi und 45°-Bewegungen.

Heutzutage trainieren viele Karateka nur Kata oder nur Kumite fĂŒr den Wettkampf. Was denken Sie ĂŒber diese Entwicklung?

Es sollte beides fĂŒr ein ganzheitliches Training von Karate sein. Wettkampf ist nur ein Teil von Karate, der andere ist Selbstverteidigung. Budo hilft die Persönlichkeit der Menschen, die Karate-Do ausĂŒben, zu entwickeln. Budo Karate ist so groß, dass man sich in viele Richtungen entwickeln kann. Viele Leute betreiben Wettkampf, aber sie sollten es mehr traditionell halten, sonst ist es nur Boxen oder etwas Ă€hnliches. Wenn man nur fĂŒr Wettkampf trainiert, dann sind sie nach dem WettkĂ€mpfen am Ende, weil sie nicht wissen, was sie weiter trainieren sollen. Deshalb ist es wichtig, die traditionelle Ausrichtung des Budo-Karate zu bewahren. Im Wettkampf lernt man hauptsĂ€chlich anzugreifen, im WKSA lernt man genauso, wie man blockt. Daher sollte nach dem WettkĂ€mpfen Budo-Karate trainiert werden, so wie ich in der Akademie.

Wie sollten wir Ihrer Meinung nach Kata ausĂŒben?

Kata sollte auf Budo-Art trainiert werden. Kata auf normale Weise auszufĂŒhren ist nicht genug, Kata sollte auch Ura, Go, genauso in alle 4 Richtungen und als Bunkai ausgefĂŒhrt werden. Das ist der Weg Kata eingehend zu studieren und zu verstehen.

Sensei Kase, Sie sind 70 Jahre alt und betreiben Karate ĂŒber 54 Jahre. Was lĂ€sst Sie immer noch Spaß am Karate haben?

Karate zu betreiben ist eine Freude fĂŒr mich. Ich kann nicht ohne Karate leben, es ist wie essen und trinken, es ist ein natĂŒrlicher Teil von mir. FĂŒr mich ist ins Kino zu gehen oder etwas Ă€hnliches kein Genuss. Nur Karate ist wichtig fĂŒr mich. Es ist das selbe wie ein KĂŒnstler, TĂ€nzer, Maler, Schriftsteller, du musst die Kunst genießen und das tue ich.

Sensei Kase, in BĂŒchern können wir lesen, das KampfkĂŒnste die Persönlichkeit durch die AusĂŒbung der Kampfkunst entwickeln können. Was ist Ihre Meinung darĂŒber?

Ich denke die Entwicklung der Persönlichkeit kommt nicht nur von den KampfkĂŒnsten, es kommt von der Lebenserfahrung, Heirat und vielen weiteren Dingen. Ich denke durch Karate bin ich sehr viel ruhiger geworden, habe ich mich mehr unter Kontrolle. ( Pause ...) Karate ist wie die Suche nach fremder Energie. Durch Karate eine andere Stufe erreicht, die mein Inneres mit viel Ruhe erfĂŒllt. Es ist wie eine Art spiritueller Energie.

Sensei Kase, danke fĂŒr Ihre Zeit.


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